Es war September und es standen uns noch zwei Wochen Urlaub für den Rest des Jahres zur Verfügung. Eine Woche war für die Tage zwischen den Jahren reserviert und wir fragten uns, was wir mit der anderen Woche anfangen sollten. Meine Frau und ich entschlossen uns deshalb, einmal in eine abgeschiedenere Gegend zu fahren, da wir in diesem Jahr schon satt Sonne und Strand hatten. Wir meinten, ein deutsches Mittelgebirge wäre doch einmal eine nette Abwechslung. So mieteten wir uns in ein kleines nettes Ferienappartement im bayerischen Wald im Örtchen Bodenmais ein. Wir wollten nichts Großartiges unternehmen, nur etwas Erholung finden. So zogen wir uns festes Schuhwerk und lockere aber geschlossene Kleidung an, es sollte ja Zecken in den Wäldern geben. Nach dem ersten Frühstück fuhren wir mit dem Auto auf gut Glück ortsauswärts und parkten auf einem kleinen Rastplatz. Wir beschlossen, nur den aus gewiesenen Wanderwegen zu folgen und hatten sogar eine Karte und einen Kompass dabei. Die Gegend war gebirgig und von Bächen durchzogen, aber doch nicht unwegsam. Es wuchsen Blaubeerbüsche am Wegesrand, also musste es weiter im Wald noch mehr davon geben. Und so war es auch. Wir fanden an diesen sogar noch einige verspätete Heidelbeeren. Aber was war denn das ? Täuschte ich mich oder lugte da nicht ein brauner Hut aus dem Blaubeergebüsch hervor. In der Tat war es ein Maronenröhrling. Wo einer steht, gibt es erfahrungsgemäß auch noch mehr davon. Wir fanden dann tatsächlich noch einen ganzen Trupp dieser Pilze. Da wir jedoch kein Behältnis für den Transport dabei hatten, ließen wir sie stehen und beschlossen am folgenden Tag wiederzukommen.
Im Gasthof nahe unseres Appartements, wo wir unser Abendessen einnahmen, fragten wir, ob es denn Pilze in der Gegend gäbe. Freilich, sagte man uns, gäbe es hier Schwammerln. Nur wisse man nichts Genaues.
Anderen Tags nahmen wir einen Korb mit und holten uns die Maronen. Wir sammelten nur die besten und festen Exemplare. Um sie direkt in der freien Natur zu putzen, setzten wir uns an einen Bach und ließen während des Putzens der Pilze unsere Füße im klaren Wasser baumeln.
Nun hatte uns das Jagdfieber gepackt. Ob wohl noch weitere Pilze zu finden waren ? Nachdem wir 20 Minuten erfolglos umher gepirscht waren, leuchtete etwas Gelbes aus einer hangaufwärts gelegenen Moosfläche. Das könnten, nein das mussten …. ja es waren Pfifferlige. Welch eine Freude. Und es waren nicht wenige. Das darauf folgende Putzen der Pfifferlinge war zwar mühsamer als das Putzen der Maronen, aber die Freude über den Fund entschädigte uns vollkommen dafür. Unser Korb war zur Hälfte gefüllt. Wir gaben an diesem Abend kein Geld für Essen im Gasthof aus, sondern bereiteten uns ein leckeres Pilzgericht auf dem kleinen E-Herd im Appartement.
In den folgenden Tagen gingen wir noch zwei mal in den Wald und fanden wieder gut Pfifferlinge und Maronen und sogar zwei prächtige Steinpilze.